Designhotel in Berlin
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Bleibtreu Berlin – nachhaltiges Designkonzept mit Zukunft

Als erstes Berliner Designhotel wurde 1995 das Bleibtreu Berlin in Charlottenburg eröffnet. Der Designer Prof. Herbert Jakob Weinand konzipierte ein elegantes Hotel mit Hingabe zum Detail. Selbst Stammgäste entdecken bei jedem Besuch etwas Neues. Der gestalterische Anspruch an das Bleibtreu wurde aus den modischen und intellektuellen Strömungen der Zeit geboren. Wie die Umsetzung erfolgte, erklärt der kreative Gestalter im Interview.

Herr Weinand, das Bleibtreu Berlin wurde in einem renovierten Charlottenburger Patrizierhaus aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet. Welche Rolle spielte der Charakter des Gebäudes für Ihren Entwurf?
Obwohl von dem ehemaligen Gebäude nur die geschützte Fassade erhalten war, spielte der ursprüngliche Charakter eine tragende Rolle. Die Architektur wurde nach unseren Plänen erarbeitet. Wir schufen zwar ein neues Stadthaus, allerdings mit Bezug zum Standort.

Wie kann man sich das vorstellen?
Zum Konzept gehören Bäder mit Fenstern oder Flure, die an Charlottenburger Wohnungen erinnern. Das Erdgeschoss des Bleibtreu ist auch nicht nur Hotel, sondern mit dem Blumenladen, dem Deli 31 und der Espressobar auch Anlaufstelle für die Nachbarschaft. Die Charlottenburger wollen in unterschiedlicher Atmosphäre essen, etwas trinken gehen oder shoppen. Ähnlich sollen sich auch die Hotelgäste fühlen. Im Bleibtreu sind sie Charlottenburger "auf Zeit".

Was sind die Kernwerte des Bleibtreu Hotels?
Das Bleibtreu ist stark vom (Zeit-)Geist und den Design-Strömungen der späten 80er Jahre geprägt. Ein Schlagwort dafür wurde, glaube ich, noch nicht entworfen. Das starke Interesse an natürlichen Materialien und ökologischer Wertschöpfung in dieser Zeit ist ein Kernpunkt im Design des Bleibtreu. Es ist von innen heraus für den Menschen geschaffen. Neu und sehr wichtig war in diesem Jahrzehnt auch die Vereinigung von Kunst und Design.

Wie soll die Kunst auf die Hotelgäste wirken? Soll sie gar beeinflussen?
Die Kunst soll die Hotelgäste zum Entdecken und zum Denken anregen. Die Kunststandorte wurden fast immer eigens für das Objekt geschaffen und das Interieur sozusagen als Rahmen für die Kunstwerke gestaltet. Im Bleibtreu hängen nicht irgendwo irgendwelche Bilder. Die Kunst, und deren Aussage, steht im direkten Bezug zur Gestaltung und zwar teilweise so, dass die Gäste die Einzelheiten gar nicht wahrnehmen. Die Präsentationen der Kunstwerke im Bleibtreu sind alles Inszenierungen auf sehr feinsinnige und subtile Art.

Welche Rolle spielt die Farbgebung in einem Hotel?
Im Bleibtreu treffen wir auf starkes Blau, warme, helle Töne, dann wieder harte Kontraste zwischen Schwarz und Elfenbein oder farbige Mosaiken und Stühle.
Die Farben im Bleibtreu sind sehr vielfältig und immer dem Gast und seiner Lebenssituation zugeordnet. Im Erdgeschoss haben wir viele blaue Fixpunkte gesetzt. Wer beispielsweise zum Frühstück geht, läuft auf die blaue Treppenskulptur zu. Blau steht für Entspannung und Harmonie und erfüllt den Innenhof und die Blue Bar geradezu damit.
Im Restaurant wurde durch die farbigen Akzente in Mosaiken und den Stühlen jede Strenge aus der Architektur des Restaurants genommen. Das Spiel der Farben steht für eine lockere Atmosphäre. Der Gast soll sich hier unbefangen bewegen und nicht überlegen, in welcher Haltung er sich hinsetzen muss. Die Gästezimmer in den einzelnen Etagen im Bleibtreu sind nach unterschiedlichen Kriterien und für verschiedene Menschentypen gestaltet.
Die blaue Etage steht für Business-Atmosphäre, für Ruhe und Klarheit. Die hellen, warmen Farben der höheren Etagen entfalten dagegen eine weiche, feminine Ausstrahlung. Die schwarz-elfenbein gestreiften Zimmer in der obersten Etage deuten das Dachgebälk an und symbolisieren Jugendlichkeit und Kraft.

Die Stockwerke haben einen sinnlichen Duft-Charakter. Setzen Sie Aromatherapie als Mittel zur Raumgestaltung ein?
Die Beduftung der Flure wird als Energetisierung und Reinigungsmittel eingesetzt. Überall auf der Welt wird die Atmosphäre an heiligen Stätten, Tempeln oder Kirchen mit Düften gereinigt und geweiht. Natürliche Düfte haben nicht nur eine emotionale, sondern auch eine antiseptische Wirkung. Auch wenn man sie bewusst kaum wahrnimmt, prägen sie die Wirkung eines Raums.


Prof. Herbert Jakob Weinand

Prof. Herbert Jakob Weinand lehrt an der Fachhochschule Lippe und Höxter im Studiengang Innenarchitektur das Fach Möbel- und Produktdesign. Weinand suchte neben seiner Lehrtätigkeit stets die Nähe zur bildenden und darstellenden Kunst. Mit seinen Designs ist Weinand seit Ende der 70er Jahre in allen europäischen Metropolen präsent. Die konzeptionelle Gesamtplanung für das Bleibtreu Hotel ist ein Meilenstein in seiner Karriere. Mit diesem Projekt spezialisierte sich Weinand auf die Umsetzung von ökologischen Materialien und Produktionsweisen. Im Jahr 2000 wurde er dafür von Greenpeace als einer der "100 Helden International" ausgezeichnet. Nach Abschluss der Inneneinrichtung der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen Amtes, will sich Weinand auf die konzeptionelle Beratung und seine Lehrtätigkeiten konzentrieren und sich aus der aktiven Gestaltung und Umsetzung zurückziehen.